Was würdest du tun, wenn du dir zufällig auf der Straße selbst begegnest? Würdest du deinen biologischen Vater damit konfrontieren? Und wie würdest du dann reagieren, wenn du erfährst, dass es von dir mehrere identische Kopien gibt – die sich nur durch ihre Sozialisation voneinander unterscheiden?
Caryl Churchill, eine der prägendsten Stimmen des britischen Theaters, setzt sich in dem 2002 uraufgeführten Stück DIE KOPIEN mit diesen Fragen auseinander. Sie verzichtet bewusst auf moralische Bewertungen und zeigt stattdessen, wie die Biogenetik unser Verständnis von Individualität verändert. Die Produktion von theater.direkt nimmt die absurd-dubiose Beziehung zwischen Vater und Sohn zum Anlass, um sowohl grundlegende Fragen der menschlichen Existenz zu stellen, als auch aktuelle Bezüge zur Gegenwart (Künstliche Intelligenz) herzustellen: Wie finden wir unsere Identität in einer Welt, in der wir gleichzeitig privat und öffentlich agieren – und in der wir ständig Gefahr laufen, kopiert oder instrumentalisiert zu werden?
